Prüfprotokoll für Wallbox und Ladestation (DIN VDE 0100-722)

Vorlage Aktualisiert am Vorlagen-Version 1.0

Eine Wallbox ist eine Erweiterung der elektrischen Anlage. Vor der Inbetriebnahme steht deshalb die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600, ergänzt um die Anforderungen der DIN VDE 0100-722 an Stromkreise für Elektrofahrzeuge: ein eigener Stromkreis je Ladepunkt, Fehlerstromschutz mit Erkennung von Gleichfehlerströmen und eine Funktionsprüfung der Ladesteuerung mit Prüfadapter. Diese Vorlage bildet beides ab, die Erstprüfung nach der Montage und die wiederkehrende Prüfung nach DIN VDE 0105-100. Sie liegt als ausfüllbares PDF, als Excel für mehrere Ladepunkte an einem Standort und als ausgefülltes Muster einer 11-kW-Wallbox vor, ohne Anmeldung. Die Seite erklärt dazu, was bei Ladeeinrichtungen anders ist als bei einem gewöhnlichen Endstromkreis, welche Grenzwerte gelten, welche Rolle das Herstellerprotokoll spielt und was ein Prüfadapter leisten muss.

Download, ohne Anmeldung

Version 1.0, Stand 22.09.2026. Nutzung im eigenen Betrieb frei; Weiterverkauf und Bearbeitung zur Weitergabe nicht (Nutzungsbedingungen).

Besonderheiten bei Ladeeinrichtungen

Fehlerstromschutz mit Gleichfehlerstromerkennung. Jeder Ladepunkt braucht eine eigene Fehlerstrom-Schutzeinrichtung mit einem Bemessungsdifferenzstrom von höchstens 30 mA. Das Ladegerät im Fahrzeug kann glatte Gleichfehlerströme erzeugen; sie sättigen den Summenstromwandler eines RCD Typ A und blockieren ihn. DIN VDE 0100-722 lässt deshalb vier Schutzkonzepte zu: RCD Typ B; RCD Typ A zusammen mit einer Gleichfehlerstrom-Überwachung RDC-DD nach IEC 62955, die ab 6 mA DC abschaltet; RCD Typ F zusammen mit RDC-DD; oder RCD Typ A-EV mit eingebauter Gleichstromerkennung. Welches Konzept vorliegt, steht in der Herstellerdokumentation: Viele Wallboxen haben die RDC-DD eingebaut, dann genügt vorgelagert ein Typ A. Das Protokoll hält das Konzept als Auswahlfeld fest. Die RDC-DD ist kein Ersatz für die Schutzmaßnahme „automatische Abschaltung“; die Abschaltzeiten der Tabelle gelten für den RCD, nicht für die 6-mA-Erkennung.

Eigener Stromkreis je Ladepunkt. Kein weiterer Verbraucher am Stromkreis, eigene Überstromschutzeinrichtung, eigener RCD. Bei mehreren Ladepunkten an einem Standort trägt jeder eine eindeutige Nummer, und jede Messung wird ihr zugeordnet. Der Leiterquerschnitt muss zur Absicherung und zur Dauerlast passen: Eine Wallbox lädt stundenlang mit Nennstrom, anders als eine Steckdose.

Isolationsmessung mit abgeklemmter Wallbox. Netzteil, Überspannungsschutz und Kommunikationselektronik der Wallbox verfälschen eine Isolationsmessung mit 500 V oder nehmen Schaden. Die Zuleitung wird deshalb mit abgeklemmten Leitern gemessen: L1, L2, L3 und N gegen PE, dazu L gegen N und L gegen L. Für die Wallbox selbst gilt die Herstellerangabe, meist 250 V DC. Gemessen wird vor dem Schütz an den Anschlussklemmen und nach dem Schütz an der Ladebuchse, wofür der Prüfadapter den Zustand C (Schütz geschlossen) herstellt. Eine abweichende Prüfspannung wird im Protokoll vermerkt.

Netzform, Lastmanagement und Netzbetreiber. Im TN-C-S-System wird die Wallbox nur am TN-S-Teil hinter der PEN-Aufteilung angeschlossen; im TT-System gehört der Erdungswiderstand zur Bewertung; ein IT-System braucht die Freigabe des Herstellers. Ein Lastmanagement (statisch oder dynamisch) begrenzt den Ladestrom und wird mit Art und eingestellter Grenze dokumentiert, weil es die Plausibilität der Ladeleistung beeinflusst. Ladeeinrichtungen sind beim Netzbetreiber anzumelden; ab einer bestimmten Leistung ist zusätzlich seine Zustimmung nötig, und für steuerbare Verbrauchseinrichtungen gilt § 14a EnWG. Das Protokoll hat dafür ein Feld „Anmeldung und Steuerbarkeit dokumentiert“, keine Bewertung.

Fahrzeugsimulation mit Prüfadapter. Ohne Fahrzeug legt eine Wallbox keine Spannung an die Buchse. Der Prüfadapter (EVSE-Adapter) simuliert über den Control Pilot (CP) die Zustände nach DIN EN IEC 61851-1: A (kein Fahrzeug, 12 V), B (Fahrzeug angesteckt, 9 V), C (ladebereit, 6 V) und E (Fehler durch Kurzschluss CP gegen PE). Über den Proximity Pilot (PP) stellt er die Kabelcodierung ein (13, 20, 32 oder 63 A) oder „kein Kabel“. Erst im Zustand C schließt das Schütz; dann werden Spannung je Phase, Drehfeld, PWM-Tastverhältnis, Schutzleiterwiderstand der Buchse, Isolationswiderstand nach dem Schütz sowie RCD und RDC-DD an der Buchse geprüft. Zustand E und, wenn der Adapter es kann, die PE-Unterbrechung müssen zur Abschaltung führen.

Auslöseprüfung des internen Schutzes. Die RDC-DD wird mit einer Gleichstromrampe an der Ladebuchse geprüft; erwartet wird die Auslösung bei 6 mA (Praxis 6 bis 8 mA), spätestens nach 10 s. Danach zeigt sich, ob die Wallbox von selbst wieder freigibt oder eine Quittierung braucht. Ein vorgeschalteter RCD Typ B bekommt zusätzlich zur AC-Rampe eine DC-Rampe zwischen 0,5 und 2,0 × IΔn.

Aufbau der Vorlage

Der Kopf entspricht jedem Prüfprotokoll: Protokollnummer, Anlass (Erstprüfung oder Wiederholungsprüfung), Prüfgrundlage mit Ausgabestand, Auftraggeber und Betreiber, Objekt und Standort, Prüfbetrieb und Prüfperson, Prüfgerät mit Seriennummer und Kalibrierdatum, Prüfadapter mit Typ und Seriennummer, Datum und Uhrzeit, Einschränkungen des Prüfumfangs.

Ladepunktdaten: Hersteller, Typ, Seriennummer, Ladepunkt-Nummer, Ladeleistung (ein- oder dreiphasig, 11 oder 22 kW), Anschlussart (Steckdose Typ 2 oder festes Kabel), Netzform, Zuleitung mit Typ, Querschnitt und Länge, Überstromschutz mit Charakteristik und Nennstrom, Schutzkonzept Fehlerstrom (Auswahl aus den vier Varianten), Bemessungsdifferenzstrom, eigener Stromkreis, Lastmanagement, Anmeldung und Steuerbarkeit dokumentiert, Zähler bei Abrechnung, Herstellerprotokoll liegt vor.

Sichtprüfung, jeweils Ja, Nein oder entfällt: Gehäuse unbeschädigt, IP-Schutzart eingehalten, kein Eindringen von Feuchte oder Schmutz, Anzeigen lesbar, Steckvorrichtung und Ladeleitung in Ordnung, Wasserablauf der Buchse frei, Zugentlastung wirksam, Beschriftung und Dokumentation vollständig, RCD-Konzept vorhanden und je Ladepunkt, Leiterquerschnitt passt zur Absicherung, bei öffentlichen Ladepunkten QR-Code und Backend-Anbindung.

Messungen an der Zuleitung: Isolationswiderstand L1, L2, L3 und N gegen PE sowie L–N und L–L; Schleifenimpedanz oder Kurzschlussstrom L–PE; Netzimpedanz L–N für den Kurzschlussschutz.

Messungen am Ladepunkt: Schutzleiterwiderstand an Buchse und Gehäuse; Isolationswiderstand vor und nach dem Schütz; RCD AC mit Auslösezeit und Auslösestrom; bei Typ B zusätzlich die DC-Werte; RDC-DD mit Auslösestrom und Zeit; Spannung je Phase; Drehfeld; PWM-Tastverhältnis beziehungsweise signalisierter Ladestrom; optional Ladestrom je Phase unter Last.

Erprobung mit Prüfadapter, jeweils Ja, Nein oder entfällt: Freischaltung per RFID, App oder Schlüssel; Zustand A: Buchse entriegelt; Zustand B: Buchse verriegelt; Zustand C: Schütz geschlossen, Spannung an der Buchse; Zustand D: meist entfällt; Zustand E: Abschaltung; PE-Unterbrechung: Abschaltung; PP „kein Kabel“: Ladung verweigert; PP-Codierung 13, 20, 32, 63 A: Ladestromvorgabe folgt.

Ergebnis: bestanden, bestanden mit Hinweis oder nicht bestanden; Mängel mit Frist; Empfehlungen; nächster Prüftermin; Plakette angebracht; Unterschriften von Prüfperson und Betreiber.

Grenzwerte und Richtwerte

Für die Zuleitung gelten bei der Erstprüfung die Werte der DIN VDE 0100-600, bei der Wiederholungsprüfung die Ω/V-Werte für Bestandsanlagen, wie sie in der Vorlage für die Wiederholungsprüfung tabelliert sind. Die folgenden Werte sind wallboxspezifisch oder werden am Ladepunkt gebraucht.

MessungGrenzwertBedingungQuelle
Schutzleiterwiderstand R_PE, Ladebuchse und Gehäuse≤ 0,3 Ω (Praxiswert), sonst niederohmig und plausibel zur LeitungPrüfstrom ≥ 200 mA, beide PolaritätenTestboy-Formular; Sonepar-Checkliste (Praxiswerte)
Isolationswiderstand R_ISO, Zuleitung≥ 1 MΩ bei 500 V DCErstprüfung; Wiederholungsprüfung nach Ω/V-Tabelle für BestandsanlagenDGUV Information 203-072, Tabelle 11
Isolationswiderstand, Wallbox-ElektronikHerstellerwert; Prüfspannung meist 250 V DCwegen Überspannungsschutz-Beschaltung; bei Ladeleitungen sind 250 kΩ üblichDGUV Information 203-070, Abschnitt 7.8
Bemessungsdifferenzstrom IΔn je Ladepunkt≤ 30 mAzusätzlicher Schutz, eigener RCD je LadepunktDKE-FAQ zu DIN VDE 0100-722:2019-06
Schutzkonzept FehlerstromTyp B; Typ A + RDC-DD; Typ F + RDC-DD; Typ A-EVAuswahl nach HerstellerdokumentationDKE-FAQ zu DIN VDE 0100-722; Benning
RCD AC, Auslösezeit tA≤ 300 ms bei 1 × IΔn; ≤ 40 ms bei 5 × IΔnTyp A, F und AC-Anteil Typ BSonepar-Checkliste; Elektropraktiker
RCD AC, Auslösestrom IΔ50–100 % von IΔnRampenmessungSonepar-Checkliste
RCD Typ B, DC-Auslösestrom50–200 % von IΔnglatter Gleichfehlerstrom, DC-RampeSonepar-Checkliste; FBZ-E
RDC-DD (6-mA-Erkennung)Auslösung bei ≥ 6 mA DC innerhalb ≤ 10 s; Praxis 6–8 mA in unter 0,5 sDC-Rampe an der Ladebuchse im Zustand CDGUV Information 203-070, Abschnitt 7.8; Easee; Electra
CP-Zustände (Spannung CP gegen PE)A 12 V, B 9 V, C 6 V, D 3 V, E Fehler (CP–PE-Kurzschluss)Simulation über Prüfadapter nach DIN EN IEC 61851-1e-mobileo; HT Instruments
PP-Codierung (Widerstand PP gegen PE)1500 Ω = 13 A, 680 Ω = 20 A, 220 Ω = 32 A, 100 Ω = 63 A; unter 75 Ω FehlerLadestromvorgabe muss der Codierung folgene-mobileo
PWM-Tastverhältnis und Ladestrom10–85 %: I = Tastverhältnis × 0,6 A (26,7 % ≈ 16 A, 53,3 % ≈ 32 A)Plausibilität von Ladeleistung und Lastmanagemente-mobileo
DrehfeldRechtsdrehfelddreiphasige Ladepunkte, an Klemmen und BuchseDGUV Information 203-072, Abschnitt Erprobung; Sonepar-Checkliste
Schleifenimpedanz Zs am Ladepunktwie Endstromkreis, Abschaltzeit 0,4 s (Steckdosen ≤ 63 A); Werte nach LS-Charakteristik in der Zs-Tabelle der Wiederholungsprüfungs-VorlageMessung an der Buchse im Zustand C; entfällt nicht, weil der RCD zusätzlicher Schutz istDKE zu DIN VDE 0100-410:2018-10

Quellen der Tabelle: DKE, FAQ zu DIN VDE 0100-722:2019-06; DGUV Information 203-070 (April 2026), Abschnitt 7.8 zu Ladeleitungen; DGUV Information 203-072 (April 2021), Tabelle 11; Sonepar, Checkliste Ladepunkte E-Mobilität (März 2022); Testboy, Prüfprotokoll AC-Ladesäulen; Elektropraktiker, RCD-Auslösezeiten; FBZ-E, RCD-Typen (2019); Easee, RDC-DD Functional Description; Electra.ch; e-mobileo zu Control Pilot und Proximity Pilot; HT Instruments EV-TEST100; Benning IT 200 mit EV 3-2; DKE, Erläuterungen zu DIN VDE 0100-410. Die Tabelle nennt Zahlenwerte mit Fundstelle; Normtexte werden nicht wiedergegeben. Vollständige Links stehen unter „Quellen“.

Grenzwerte sind Richtwerte mit Fundstellenangabe; die Bewertung des Prüfergebnisses trifft die prüfende Person. Herstellerangaben zur Wallbox gehen vor.

Prüfablauf in acht Schritten

  1. Unterlagen. Herstellerdokumentation lesen: Schutzkonzept, zulässige Prüfspannung, Verhalten der RDC-DD nach Auslösung. Anschlussplan, Netzbetreiber-Anmeldung und bei einer Wiederholungsprüfung das Vorprotokoll bereitlegen.
  2. Besichtigen. Gehäuse, Schutzart, Buchse und Ladeleitung, Zugentlastung, Beschriftung, Leiterquerschnitt zur Absicherung, eigener Stromkreis, RCD-Konzept je Ladepunkt, Montagehöhe und Standort (Fahrzeuganfahrt, Witterung).
  3. Spannungsfrei, Wallbox abgeklemmt. Durchgängigkeit des Schutzleiters von der Verteilung bis zur PE-Klemme der Wallbox mit mindestens 200 mA; Isolationswiderstand der Zuleitung mit 500 V DC in allen Kombinationen.
  4. Wallbox anklemmen, einschalten. Spannung je Phase und Drehfeld an den Anschlussklemmen; Schleifenimpedanz oder Kurzschlussstrom L–PE; Netzimpedanz L–N.
  5. Vorgeschalteter RCD. Prüftaste; Auslösestrom per Rampe; Auslösezeit bei 1 × und 5 × IΔn; bei Typ B zusätzlich die DC-Rampe. Berührungsspannung prüfen.
  6. Prüfadapter anstecken. Freischaltung; Zustand A, dann B, dann C. Im Zustand C: Schutzleiterwiderstand der Buchse, Isolationswiderstand nach dem Schütz mit der vom Hersteller zugelassenen Spannung, Spannung je Phase und Drehfeld an der Buchse, PWM-Tastverhältnis gegen die eingestellte Ladeleistung, Schleifenimpedanz an der Buchse. Dann RDC-DD mit der DC-Rampe (bis 10 s abwarten), Zustand E und PE-Unterbrechung, PP „kein Kabel“ und die PP-Codierungen.
  7. Optional Last. Mit Lastwiderstand oder Fahrzeug den Ladestrom je Phase messen und mit der PWM-Vorgabe und dem Lastmanagement vergleichen; Erwärmung an Klemmen und Buchse beobachten.
  8. Bewerten und dokumentieren. Jede Einzelprüfung bewerten, Mängel mit Frist, nächster Prüftermin, Plakette nur bei bestandener Prüfung, Unterschriften. Prüfprotokoll und Herstellerprotokoll zusammen an den Betreiber übergeben.

Erstprüfung und Wiederholungsprüfung

Die Erstprüfung nach DIN VDE 0100-600 mit den Ergänzungen der DIN VDE 0100-722 folgt auf Montage, Erweiterung oder Änderung, etwa wenn ein zweiter Ladepunkt hinzukommt oder ein Lastmanagement nachgerüstet wird. Sie belegt, dass die Errichtung den Normen entspricht, und ist Voraussetzung für die Inbetriebnahme. Die Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0105-100 stellt im Turnus fest, ob die Ladeeinrichtung noch in ordnungsgemäßem Zustand ist; sie umfasst dieselben Schritte, bewertet den Isolationswiderstand der Zuleitung aber nach den Bestandswerten und vergleicht mit dem Vorprotokoll.

Fristen als Richtwerte: Gewerblich genutzte Ladeeinrichtungen, etwa auf Mitarbeiterparkplätzen, in Fuhrparks oder öffentlich, fallen unter DIN VDE 0100 Gruppe 700; Tabelle 1A der DGUV Vorschrift 3 nennt dafür ein Jahr. Prüfdienstleister und Messgerätehersteller empfehlen für öffentliche Ladepunkte ebenfalls jährliche Prüfung, für halböffentliche ein bis zwei Jahre. Für private Wallboxen gilt die DGUV Vorschrift 3 nicht; in der Praxis hat sich ein Rhythmus von etwa vier Jahren eingebürgert, angelehnt an die Anlagenprüfung. Die Prüftaste des RCD sollte der Nutzer alle sechs Monate betätigen. Mobile Ladeleitungen mit Steuer- und Schutzeinrichtung (IC-CPD, Ladebetriebsart 2) sind ortsveränderliche Betriebsmittel und werden getrennt nach der Vorlage für ortsveränderliche Betriebsmittel geprüft, mit 6-mA-DC-Prüfung, im Abstand von sechs bis zwölf Monaten.

Verbindlich ist die Frist aus der Gefährdungsbeurteilung des Betreibers. Tabelle und Rechner: DGUV V3 Prüffristen. Die Abgrenzung im Detail: Erstprüfung vs. Wiederholungsprüfung.

Herstellerprotokoll oder Prüfprotokoll?

Beides. Das Inbetriebnahmeprotokoll des Herstellers dokumentiert die Konfiguration der Wallbox: Ladestrombegrenzung, Phasenanzahl, Lastmanagement, Backend-Anbindung, Firmware, Seriennummer. Hersteller verlangen es häufig als Bedingung für die Garantie; Förderprogramme und Netzbetreiber fragen es für den Nachweis der Inbetriebnahme ab. Es enthält meist ein Feld für den installierenden Betrieb, aber keine oder nur wenige Messwerte der Anlage.

Das Prüfprotokoll der Elektrofachkraft belegt dagegen die Prüfung der Anlage nach DIN VDE 0100-600 und 0100-722: Zuleitung, Schutzorgane, Fehlerstromschutz, Messwerte, Funktionsprüfung mit Prüfadapter, Bewertung, Unterschrift. Nur dieses Dokument erfüllt die Aufzeichnungspflicht nach § 14 Abs. 7 BetrSichV für gewerblich betriebene Ladeeinrichtungen und dient als Vorprotokoll für die nächste Wiederholungsprüfung.

Beide Dokumente gehören in die Anlagendokumentation des Betreibers. Praktisch ist eine Ablage beim Verteilerplan: Herstellerprotokoll, Prüfprotokoll, Netzbetreiber-Anmeldung und Datenblatt. Die Vorlage hat dafür das Feld „Herstellerprotokoll liegt vor“ und Platz für die Seriennummer, damit sich beide Dokumente eindeutig zuordnen lassen.

Messgeräte und Prüfadapter

Für die Anlagenprüfung braucht es einen Installationstester nach DIN EN 61557 (VDE 0413), der Isolationswiderstand (Teil 2), Schleifen- und Netzimpedanz (Teil 3), Niederohmigkeit mit mindestens 200 mA (Teil 4) und RCD-Auslösewerte (Teil 6) messen kann. Für Wallboxen kommen dazu: eine DC-Rampe für RCD Typ B und für die RDC-DD sowie ein Prüfadapter, der die Fahrzeugkommunikation nachbildet.

Der Prüfadapter wird an die Typ-2-Buchse oder an das feste Ladekabel gesteckt. Er stellt die CP-Zustände A, B, C und E ein, codiert den PP-Widerstand, zeigt das PWM-Tastverhältnis an und führt L1, L2, L3, N und PE auf Messbuchsen heraus, an denen der Installationstester wie an einer Steckdose misst. Manche Adapter können zusätzlich eine PE-Unterbrechung simulieren, den Ladestrom mit Lastwiderständen ziehen oder als Zwischenstecker für Messungen am Fahrzeug dienen. Ein Adapter ohne Zustand E oder ohne durchgeführte Messbuchsen reicht für eine vollständige Prüfung nicht aus.

Beispiele ohne Wertung, in alphabetischer Reihenfolge: Benning bietet den Installationstester IT 200 mit dem Adapter EV 3-2 an; Fluke, Gossen Metrawatt und Testboy führen Installationstester mit passenden EV-Prüfadaptern; HT Instruments den Adapter EV-TEST100. Auf den Hersteller kommt es nicht an. Gerät und Adapter müssen die genannten Funktionen abdecken, kalibriert sein und im Protokoll mit Typ und Seriennummer stehen. Ein Ladeversuch mit dem eigenen Fahrzeug ersetzt keinen dieser Schritte: Das Fahrzeug meldet keine Messwerte und lässt sich nicht in den Fehlerzustand E bringen.

Praxisfallen bei Ladeeinrichtungen

  • Ladeversuch statt Prüfung. Dass das Fahrzeug lädt, belegt weder Schutzleiter, Isolation, RCD noch RDC-DD. Ohne Prüfadapter ist die Funktionsprüfung nicht dokumentierbar.
  • Zustand E und PE-Unterbrechung ausgelassen. Beide Fehlersimulationen gehören in jedes Protokoll; „entfällt“ ist nur zulässig, wenn der Adapter die Funktion nicht hat, und wird dann so eingetragen.
  • RDC-DD-Rampe zu früh abgebrochen. Die Auslösung darf bis zu 10 s dauern; in der Praxis kommt sie unter 0,5 s. Wer nach zwei Sekunden abbricht, dokumentiert einen Fehler, der keiner ist.
  • Typ A ohne DC-Erkennung. Ein RCD Typ A vor einer Wallbox ohne eingebaute RDC-DD ist ein Mangel, auch wenn das Fahrzeug lädt. Das Schutzkonzept steht in der Herstellerdokumentation, nicht auf dem Typenschild des RCD.
  • Prüfspannung 250 V nicht vermerkt. Wer die Wallbox-Elektronik mit reduzierter Spannung misst, trägt das ein; sonst sieht der Wert im Vorprotokoll später wie ein Messfehler aus.
  • Mehrere Ladepunkte, eine Messwertspalte. Jeder Ladepunkt bekommt seine Zeile mit Nummer und Seriennummer; die Excel-Vorlage ist dafür angelegt.
  • Ladeleitung mitgeprüft. Die mobile Ladeleitung mit IC-CPD ist ein ortsveränderliches Betriebsmittel mit eigenem Protokoll und eigener Frist.
  • Netzbetreiber vergessen. Anmeldung und ab einer bestimmten Leistung die Zustimmung des Netzbetreibers sind Betreiberpflichten; das Protokoll dokumentiert nur, ob der Nachweis vorliegt.

Verwandt: Erstprüfung elektrische Anlagen nach DIN VDE 0100-600, Prüffristen mit Rechner, Pflichtangaben im Prüfprotokoll.

Häufige Fragen

Welcher RCD-Typ ist für eine Wallbox nötig?

Jeder Ladepunkt braucht einen eigenen RCD mit höchstens 30 mA Bemessungsdifferenzstrom, der auch glatte Gleichfehlerströme aus dem Fahrzeugladegerät beherrscht. Zulässig sind vier Konzepte: RCD Typ B; Typ A oder Typ F zusammen mit einer Gleichfehlerstrom-Überwachung RDC-DD, die ab 6 mA DC abschaltet; oder Typ A-EV mit eingebauter Erkennung. Viele Wallboxen enthalten die RDC-DD bereits, dann genügt vorgelagert ein Typ A. Welches Konzept vorliegt, steht in der Herstellerdokumentation und wird im Protokoll als Auswahl festgehalten.

Wie messe ich den Isolationswiderstand bei angeschlossener Wallbox?

Möglichst gar nicht mit voller Prüfspannung. Netzteil, Überspannungsschutz und Elektronik der Wallbox verfälschen die Messung mit 500 V oder nehmen Schaden. Die Zuleitung wird deshalb mit abgeklemmten Leitern gemessen: L1, L2, L3 und N gegen PE sowie untereinander. Für die Wallbox selbst gilt die Herstellerangabe, meist 250 V DC; gemessen wird vor dem Schütz an den Klemmen und nach dem Schütz an der Buchse, wofür der Prüfadapter den Zustand C herstellt. Die abweichende Prüfspannung wird im Protokoll vermerkt.

Brauche ich einen Prüfadapter?

Ja. Ohne Fahrzeug legt die Wallbox keine Spannung an die Buchse, und ein Fahrzeug liefert keine Messwerte. Der Prüfadapter simuliert über den Control Pilot die Zustände A, B, C und E sowie über den Proximity Pilot die Kabelcodierung und führt die Leiter auf Messbuchsen heraus. Erst so lassen sich Schutzleiter, Isolation nach dem Schütz, RCD, RDC-DD, Drehfeld und PWM an der Buchse prüfen. Solche Adapter bieten unter anderem Benning, Fluke, Gossen Metrawatt, HT Instruments und Testboy an; die Beispiele sind keine Wertung.

Wie oft muss eine Wallbox geprüft werden?

Gewerblich genutzte Ladeeinrichtungen, etwa auf Mitarbeiterparkplätzen, im Fuhrpark oder öffentlich, fallen unter DIN VDE 0100 Gruppe 700; Tabelle 1A der DGUV Vorschrift 3 nennt dafür den Richtwert ein Jahr. Verbindlich ist die Frist aus der Gefährdungsbeurteilung des Betreibers. Für private Wallboxen gilt die Vorschrift nicht; üblich ist eine Prüfung etwa alle vier Jahre, angelehnt an die Anlagenprüfung. Die RCD-Prüftaste sollte alle sechs Monate betätigt werden. Mobile Ladeleitungen werden getrennt alle sechs bis zwölf Monate geprüft.

Reicht das Inbetriebnahmeprotokoll des Herstellers?

Nein. Das Inbetriebnahmeprotokoll des Herstellers dokumentiert die Konfiguration der Wallbox und sichert Garantie oder Förderung; es enthält kaum Messwerte der Anlage. Die Prüfung der elektrischen Anlage nach DIN VDE 0100-600 und 0100-722, mit Isolations-, Schleifen- und RCD-Messungen sowie der Funktionsprüfung per Prüfadapter, belegt nur das Prüfprotokoll der Elektrofachkraft. Für gewerblich betriebene Wallboxen erfüllt allein dieses die Aufzeichnungspflicht nach § 14 Abs. 7 BetrSichV. Beide Dokumente gehören zusammen in die Anlagendokumentation.

Quellen

  • DKE, FAQ zu DIN VDE 0100-722:2019-06 (Schutzkonzepte, IΔn, eigener Stromkreis): dke.de; VDE Verlag, DIN VDE 0100-722:2019-06: vde-verlag.de
  • DGUV Vorschrift 3, § 5 mit Durchführungsanweisung, Tabelle 1A: Regelwerk der BG BAU
  • DGUV Information 203-070 „Wiederkehrende Prüfungen ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel“, April 2026, Abschnitt 7.8 Ladeleitungen: publikationen.dguv.de
  • DGUV Information 203-072 „Wiederkehrende Prüfungen elektrischer Anlagen und ortsfester Betriebsmittel“, April 2021, Tabelle 11: PDF bei der BG BAU
  • § 14 Betriebssicherheitsverordnung: gesetze-im-internet.de; § 14a Energiewirtschaftsgesetz: gesetze-im-internet.de
  • ZERA, „Wallbox prüfen: von der Erstprüfung bis zum Prüfprotokoll“: zera.de
  • ICS Schneider, „Wallbox und Ladesäule prüfen“: ics-schneider.de
  • Testboy, Prüfprotokoll AC-Ladesäulen und Wallboxen (Formular): testboy.de, PDF
  • Sonepar, Checkliste Ladepunkte E-Mobilität, März 2022: sonepar.de, PDF
  • Easee, RDC-DD Functional Description: download.easee.com, PDF
  • Bender, Stellungnahme zur Prüfung des 6-mA-DC-Fehlerstroms (RDC-MD): bender.de, PDF
  • e-mobileo, Control Pilot: e-mobileo.de; Proximity Plug: e-mobileo.de
  • Benning, Prüfung von EV-Ladestationen mit IT 200 und EV 3-2: benning.de; HT Instruments, EV-TEST100: ht-instruments.de
  • Elektropraktiker, „Auslösezeiten von Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCDs)“: elektropraktiker.de; FBZ-E, „RCD-Typen und deren Prüfungen“: fbz-e.de, PDF; Electra.ch, „Normgerechte RCD-Prüfung“: electra.ch
  • DKE, Erläuterungen zu DIN VDE 0100-410:2018-10 (Abschaltzeiten): dke.de, PDF

Alle Quellen abgerufen am 22.09.2026. Normbezeichnungen dienen der Beschreibung; Normtexte werden nicht wiedergegeben. Herstellernamen sind Beispiele ohne Wertung.

Änderungsprotokoll der Vorlage

VersionDatumÄnderung
1.024.09.2026Freigegebene Fassung: Rechtstexte 1.0, Kontaktadresse und Kennzeichnung final (zuvor 0.1)
0.122.09.2026Erste Fassung: PDF, Excel für mehrere Ladepunkte und Musterprotokoll

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